Die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)

Küchenschelle Foto: Regine Schulz
Küchenschelle Foto: Regine Schulz

Sie ist eine Schönheit mit ihren leuchtend purpurfarbenen bis violetten, großen Blüten. Dottergelbe, in dichtem Büschel stehende Staubblätter kontrastieren reizvoll zu den dunklen Kronblättern. Zudem ist die gesamte Pflanze mit einem feinen, dichten Flaum bedeckt, der ihr fast etwas Trollhaftes gibt. Die Rede ist von der Gewöhnlichen Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), einem wirklichen Juwel unserer heimischen Flora. Das beste daran aber ist, dass wir sie (wohlgemerkt: als große Seltenheit) auch im Landkreis Goslar finden.

Letzteres hat einen ganz einfachen Grund: Die Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. kümmert sich seit vielen Jahren um die Kalk-Halbtrockenrasen im Landkreis. So sind vergleichsweise große Flächen dieser einmaligen Lebensräume im südlichen Salzgitterschen Höhenzug in Eigentum und damit in Pflege des Vereins genommen worden. Darüber hinaus wurden sogar ehemalige Ackerflächen wieder renaturiert und zu dem gemacht, was sie einst waren. Auch an anderen Stellen des Landkreises sind Restbiotope erhalten und teilweise unter großen Mühen renaturiert worden. Der Lohn der Mühe ist u.a. die Küchenschelle, deren Bestand sich auf diesen Flächen wieder erholen konnte. Je nach Witterung kann man die wunderschönen, zerbrechlich wirkenden Pflanzen zwischen Ende März und Anfang Mai blühend betrachten.


Mit „Küche“ hat die Pflanze übrigens nichts zu tun. Sie müsste eigentlich „Kühchenschelle“ heißen (und so hieß sie einst auch!). Der Name kommt nämlich von der Ähnlichkeit der Blüte mit einer Kuhglocke bzw. Kuhschelle und ist im Laufe der Zeit zu Kühchen- bzw. Küchenschelle verniedlicht und verkürzt worden. Sie gehört in die Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und ist mit dem Buschwindröschen, der berühmten Brockenanemone, dem Großen Windröschen und weiteren Kuhschellenarten verwandt.

Die Pflanze ist übrigens zweimal schön: Im Fruchtzustand entwickelt sich aus jedem einzelnen Fruchtblatt ein Nüsschen, an dem der Griffel einen stark verlängerten und zottig behaarten Federschweif bildet. Damit sieht die ehemalige Blüte dann wie ein Federbüschel aus. Das macht insofern Sinn, als die Früchte bei nassem Wetter am Fell vorbeistreifender Tiere hängen bleiben und so verbreitet werden. Andererseits sind die Federschweife gute Windflieger, d. h. sie haben noch eine zweite Strategie zur Verbreitung. Darüber hinaus können die Früchte sich sogar selbst auf dem Boden fortbewegen, indem sich die Federschweife bei Feuchtigkeit verdrillen und dadurch auf dem Boden vorwärtskommen.


Die ehemaligen Vorkommen im norddeutschen Tiefland sind zum größten Teil erloschen – Reliktbestände finden sich beispielsweise noch im niedersächsischen Wendland – und eben im Landkreis Goslar.


Die Kalk-Halbtrockenrasen sind in unserer Region die letzten Refugien für diese einmalig schöne Blume. Sie steht in Niedersachsen auf der berüchtigten Roten Liste, Kategorie: vom Aussterben bedroht. Hier bei uns steht die Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. dafür, dass sie nicht auch hier noch von der Roten Liste in die Märchenbücher wechselt. Es wäre wirklich schade um die Blume des Jahres 1996.


Quelle: Gerwin Bärecke

Fotos: Regine Schulz, Gerwin Bärecke, Volker Schadach

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