Fliegende Edelsteine der Natur

Fliegende Edelsteine der Natur: Libellen im Harz – Nationalpark stellt neues Buch vor!!! Sogar eine Eiszeit-Reliktart kommt im Nationalpark vor!


Wernigerode – Bad Harzburg. Himmelsjäger, Drachenfliegen, Juwelenschwingen, Teufelsnadeln, Schillerbolde, Augenstecher: Der Volksmund kennt viele Namen für Libellen. Dies unterstreicht, dass die teils recht großen und auffälligen Insekten von jeher die Aufmerk-samkeit der Menschen auf sich gezogen haben. Libellen vermitteln zwischen den zwei Elementen Wasser und Luft. Den Großteil ihres Lebens verbringen die Tiere als oft recht unscheinbare braune Larven im Gewässer. Erst kurz vor der Geschlechtsreife verlassen sie das Wasser, um fortan als uns wohlbekannte geschickte und oft bunt gefärbte Flieger den Luftraum zu erobern und eine neue Libellengeneration zu begründen. Insbesondere durch ihre an das Wasser gebundene Entwicklung und teils sehr spezielle Lebensraumansprüche sind sie sensible Indikatoren für Veränderungen und damit geeignete Objekte für die langfristige Umweltbeobachtung.

Am 18.6.2014 wurde im Bad Harzburger Hotel Seela im Rahmen eines mit ca. 60 TeilnehmerInnen gut besuchten Vortragskolloquiums der druckfrische Band 11 der Schriftenreihe des Nationalparks Harz vorgestellt. Das Buch präsentiert auf 212 Seiten die Ergebnisse umfangreicher mehrjähriger Erfassungsarbeiten zur Libellenfauna im Nationalpark. Die Begrüßung der Gäste übernahmen Nationalparkleiter Andreas Pusch und Bad Harzburgs Bürgermeister Ralf Abrahms. Im Einführungsvortrag beleuchtete Prof. Dr. Frank Suhling von der TU Braunschweig die Harzer Libellenfauna im globalen und nationalen Kontext. Als Koordinator der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN ist er maßgeblich an der weltweiten Beurteilung der Gefährdung von Libellenarten beteiligt. Anschließend stellten Dr. Kathrin Baumann aus Bad Harzburg als Hauptautorin des Werkes sowie Dr. Joachim Müller aus Magdeburg als Autor eines eigenen Beitrages und Wolfgang Specht aus Lochtum als ehrenamtlicher Erfasser einige Ergebnisse vor und gewährten dabei auch interessante Einblicke in die Feldarbeiten.


Von den 81 in Deutschland vorkommenden Libellenarten wurden bisher 42 Arten auch im Nationalpark nachgewiesen. Von diesen gelten wiederum 22 Arten als bodenständig, d.h. sie pflanzen sich im Gebiet fort. Ein Schwerpunkt der Kartierungen lag auf den im Harz in vielfältiger Ausprägung vorhandenen Mooren, welche eine spezielle und teils hochgradig gefährdete Libellenfauna aufweisen. Mit der Alpen-Smaragdlibelle kommt hier sogar eine Art vor, die als sogenanntes Eiszeitrelikt gelten kann und vermutlich schon zum Arteninventar der Tundrenlandschaft im Vorfeld der Eiszeitgletscher gehörte. In den Vorträgen wurde herausgestellt, dass der Nationalpark insbesondere für diese an Moore gebundenen Libellenarten ein herausragender Lebensraum von überregionaler Bedeutung ist. Aber auch für den Erhalt der an Fließgewässer gebundenen Arten kommt dem Schutzgebiet auf Grund des großen Reichtums an Bergbächen eine besondere Verantwortung zu. Hier kann die von der Nationalparkverwaltung angestoßene Waldentwicklung weg von Fichtenreinbeständen hin zu Buchen- und Laubmischwäldern in den unteren und mittleren Höhenlagen einen wichtigen Beitrag leisten.


Das Buch ist als Band 11 der Schriftenreihe aus dem Nationalpark Harz unter dem Titel „Die Libellen des Nationalparks Harz“ erschienen und zum Preis von 15 € bei der Nationalparkverwaltung Harz (Lindenallee 35, 38855 Wernigerode, Tel. 03943/5502-0, poststelle@nationalpark-harz.de, www.nationalpark-harz.de) erhältlich. Neben der Vorstellung aller im Nationalpark vorkommenden Arten und ihrer Lebensräume mit zahlreichen Bildern beinhaltet der Band spezielle Kapitel zur Libellenfauna der intakten sowie revitalisierten Moore des Harzes. In einem zusätzlichen Beitrag werden die zoogeographische Herkunft und die ökologischen Ansprüche der Libellenarten Sachsen-Anhalts beleuchtet. Zudem erfolgt eine aktuelle Bewertung des Gefährdungsgrades mit einem Neuvorschlag für die Rote Liste der Libellen Sachsen-Anhalts.


Quelle:

Dr. Friedhart Knolle, Nationalpark Harz

Presse, Marketing & Regionalentwicklung

Lindenallee 35, 38855 Wernigerode

Tel. 03943/5502-32 & 0170/22 09 174


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