Wanderung trotzdem ein Erfolg

Foto: Gut gelaunt und sehr interessiert waren die Teilnehmer der Sonderführung am 1. Juni 2013 trotz des schlechten Wetters!
Foto: Gut gelaunt und sehr interessiert waren die Teilnehmer der Sonderführung am 1. Juni 2013 trotz des schlechten Wetters!

1. Juni, 7 Grad Celsius, Dauerregen ein Härtetest für Naturfreunde – geführte Wanderung trotzdem ein Erfolg

 

Othfresen-Heißum. Wenn der Termin für eine geführte Wanderung angesetzt ist, dann kann nichts die Mitglieder und Gäste der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. davon abhalten – auch nicht das in der Überschrift nur andeutungsweise beschriebene Wetter. Volker Schadach, 1. Vorsitzender des Vereins, hatte offensichtlich diesmal seinen sonst durchaus positiven Einfluss auf die Wettergestaltung nicht durchsetzen können.

Rolf Körner, Leiter der Fachgruppe Biotopschutz des Vereins, nahm nach der Begrüßung die Mitglieder und Gäste unter seine fachkundigen Fittiche; Hauptziel waren die botanischen Kleinodien der Kalk-Halbtrockenrasen. Zwischen Heißum, Othfresen und Liebenburg, im südlichen Salzgitterschen Höhenzug, liegen einige der letzten dieser selten gewordenen Lebensräume. Sie alle sind Eigentum der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. und werden entsprechend gehegt und gepflegt, um sie für uns und nachfolgende Generationen zu erhalten.


Eigentlich sind diese Lebensräume kleine Paradiese aus Menschenhand. Flachgründige, nährstoffarme Böden, Trockenheit, oft steiniger Boden eignete sich in der Vergangenheit nicht für intensive landwirtschaftliche Nutzung. So zeichnete Rolf Körner ein Bild, in dem diese Flächen als Schafweiden oder zur Mahd genutzt wurden. Das begünstigte die Einwanderung von Pflanzen, die als Lebensraumspezialisten mit diesen kargen Bedingungen zurechtkommen. Die Folge war, dass sich auf diesen Flächen die artenreichsten, sprich insbesondere auch die blütenreichsten Pflanzengesellschaften entwickelten, die wir in unseren Breiten kennen. So finden sich hier extrem seltene Pflanzen, unter denen viele heimische Orchideen nur die spektakulärsten und vielleicht auch die bekanntesten sind. Dieses Schlaraffenland zieht natürlich viele blütenbesuchende Insekten an, namentlich Schmetterlinge. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen folgen. Vögel, Kleinsäuger, Reptilien, Greifvögel, Hase, Fuchs und Reh: sie alle schätzen diese Refugien. Biologische Vielfalt ist das Stichwort.


Das von Rolf Körner gezeichnete Bild wäre allerdings nicht ganz vollständig, wäre er nicht auch auf das Schicksal dieser Lebensräume in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eingegangen. Moderne landwirtschaftliche Produktionsweise braucht solche Flächen nicht mehr, sie fielen brach und waren wieder auf dem Weg zum Waldstadium. Hier setzte vor mehr als einem Vierteljahrhundert die Arbeit der Natur- und Umwelthilfe Goslar e. V. ein. Die Flächen wurden nach und nach gekauft, wo nötig, renaturiert, werden gepflegt und so nachhaltig gesichert. Fast überflüssig zu erwähnen, dass damit auch wichtige kulturgeschichtliche Zeugnisse erhalten bleiben.


Trotz Dauerregens und benahe spätwinterlicher Temperaturen konnte die Gruppe einiges an Seltenheiten betrachten, die teilweise nur noch hier gefunden werden können. Der Wiesensalbei trotzte dem Wetter genau so tapfer wie die Futter-Esparsette. Das Nickende Leimkraut und die Gewöhnliche Hundszunge schützen ihre Blüten von Natur aus einfach dadurch, dass die Kelche nach unten zeigen und die Staubblätter so nicht nass werden können. Selbst die Orchideen zeigten mit einem noch in voller Blüte stehenden Bestand des Stattlichen- oder Manns-Knabenkrautes zähen Widerstand. Selbst die Grünliche Waldhyazinthe, für unseren Landkreis schon eine Besonderheit, hatte ansehnliche Exemplare an die Regenfront geschickt. Die Akelei ist da nicht ganz so empfindlich, sie blühte unverdrossen, auf besseres Wetter und damit auf die bestäubenden Insekten wartend.

Alles in allem konnten Volker Schadach und Rolf Körner mit dem sehr zufrieden sein, was Petrus zum Trotz bei dieser Wanderung gezeigt werden konnte. So fiel nach allem, was man hörte, auch das Urteil der Teilnehmer durchaus positiv aus, um das Wort „begeistert“ nicht zu strapazieren. Der Verein kann jedenfalls, mit den Worten eines Teilnehmers, stolz auf das Erreichte sein.


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